SCHUDERS MACHT SCHULE

 

Ein Projekt für alle, die anhand des Beispiels Schuders etwas über den Wandel in der Berglandwirtschaft, die Auswirkungen von klimatischen Veränderungen und mögliche Zukunftsperspektiven für das Berggebiet erfahren wollen.

 

Mit SCHUDERS MACHT SCHULE schaffen wir einen Lernort, der Menschen vor Ort mit interessierten Besucher*innen zusammenbringt. Wir fördern die Sensibilisierung für aktuelle Thematiken im Berggebiet und wagen einen Versuch, die geschlossene Schule von Schuders wieder zum Leben zu erwecken. Der Leer-Ort  wird zum Lern-Ort.

 

 

Leerstehende Schulhäuser im Alpenraum

Die zunehmende Fusion von Gemeinden und die sinkende Anzahl der Schüler*innen führt dazu, dass kleinere Schulen geschlossen werden und es in vielen Tälern meist nur noch eine grössere Schule gibt. Umnutzungsprojekte leerstehender Schulhäuser reichen von Ferienwohnungen, Vereinslokalen, Dorfläden bis hin zu Alterswohnungen. In vielen Gemeinden werden nicht mehr benutzte Schulhäuser zum Verkauf angeboten. Leerstehende Schulhäuser stehen für die strukturelle Veränderung innerhalb einer Gesellschaft. 

Das Projekt SCHUDERS MACHT SCHULE knüpft an diese Aspekte an und widmet sich der Leitfrage: Wie kann ein Schulhaus zu einem neuen soziokulturellen Ort innerhalb eines Dorfes werden?

 

 

Wiedereröffnung eines geschlossenen Schulhauses

Die Schule ist ein Ort der Wissensvermittlung. Neue Gedanken entstehen und eigene Zugänge zur Welt werden geschaffen. Indem die geschlossene Schule von Schuders wieder eröffnet und mit neuen Lerninhalten gefüllt wird, kann diese Wissensvermittlung erneut praktiziert werden.

 

 

Der Workshop SCHUDERS MACHT SCHULE

Das Projekt ist als Workshop gestaltet, der sich an alle interessierten Einzelpersonen, Familien und Gruppen richtet.

 

 

 

Mit folgenden Inhalten werden wir uns auseinadersetzen:

 

Berglandwirtschaft

Nutzen der Berglandwirtschaft und deren Entwicklung im Laufe der Zeit, Problematik der Verbuschung, Alternativen zur traditionellen Bewirtschaftung, mögliche Landschaftsbilder ohne Bewirtschaftung.

 

 

Veränderung des Klimas und deren Folgen für die Umgebung

Umgang mit vermehrten Erdrutschen, Veränderungen in Flora und Fauna, Umgang mit Wetterextremen und Verlagerung der Waldgrenze.

 

 

Zukunftsperspektiven

Abwanderung und Überalterung in Bergdörfern als Ausgangslage. Was für neue Formen von lokaler Wertschöpfung könnte es geben? Was haben die Teilnehmenden für einen Bezug zu den Bergen und welche Konsequenzen hat dies im Hinblick auf die Zukunft? Wie könnte Schuders in 30 Jahren aussehen?

 

 

Methoden

Der Workshop SCHUDERS MACHT SCHULE animiert die Teilnehmer*innen mit abwechslungsreichen  Methoden zum Mitdenken und Erleben. Auf verschiedenen Ebenen setzen sich die Teilnehmenden spielerisch mit den Themen auseinander; Beispiele dafür sind das Lösen von Aufgaben mit dem Feldstecher, ein Speed Dating über die eigenen Vorstellungen des Alpenraums, das Gestalten einer Landschaft mittels einer künstlerischen Collage u.v.m.

 

 

Ziele

Die Teilnehmer*innen beschäftigen sich mit soziologischen und landwirtschaftlichen Entwicklungen in der Region. Durch die Vermittlung von Wissen, die Begegnung mit Menschen vor Ort und der Formulierung von eigenen Ideen bekommen die Teilnehmenden einen differenzierteren Blick für aktuelle Herausforderungen im Berggebiet und verstehen deren Komplexität.

 

 

Der Alpenraum verändert sich – wie weiter?

Immer mehr Dörfer sind von Abwanderungen betroffen. Unterschiedliche Gründe wie verbesserte berufliche Perspektiven, breitere Freizeitangebote und soziale Bedürfnisse führen dazu, dass es viele Menschen an belebtere Orte zieht. Dorfläden, Schulen und andere Infrastrukturen schliessen. Zugleich werden touristische Angebote ausgebaut, Co-Working Spaces angeboten, Ferienhäuser gekauft und Wochenenden in den Bergen verbracht.

 

Wenn über den Alpenraum gesprochen wird, kommen oftmals verschiedene Interessen zusammen: Da sind Touristiker*innen, die nach Angeboten suchen, um in der Region neue, zahlungskräftige Gäste anzulocken. Da sind sozialromantischen Idealist*innen, die sich im Alpenraum mit einem möglichst unangetasteten Landschaftsbild erholen wollen. Da sind Ökonom*innen, die ganze Täler «aufgeben» wollen, weil sie aus ihrer Sicht nicht mehr rentieren. Da sind auswärtige Naturschutzorganisationen, die gewisse Landschaften und Tierarten schützen wollen. Da sind Bauern vor Ort, die ihr Land bewirtschaften wollen. Da sind Konsument*innen, die ein feines Stück Alpkäse schätzen. 

 

Die unterschiedlichen Positionen vertreten jeweils Zukunftsideen für den Alpenraum und führen zwangsläufig zu Fragen bezüglich dessen Gestaltung. Welche Konsequenzen ergäben sich, wenn gewisse Dörfer tatsächlich «aufgegeben» würden? Was geschieht mit der Umgebung eines Dorfes, wenn sie nicht mehr bewirtschaftet wird? Wäre die Landschaft für Feriengäste nach wie vor attraktiv? Und woher bekommt man letztlich den geliebten Alpkäse, wenn mehr und mehr Bergdörfer verschwinden? Die Formulierung mag etwas gar überspitzt sein – sie zeigt jedoch die Komplexität und Verstrickung der Ausgangslage deutlich auf.

 

Was muss erhalten werden, damit ein Dorf nicht verschwindet? Was braucht es Neues, damit wieder mehr Menschen vor Ort leben und arbeiten wollen? Die Schuderser*innen sind Expert*innen ihrer Umgebung, sie kennen die vorhandenen Strukturen, die Veränderungen des Dorfes und haben individuelle Vorstellungen und Wünsche bezüglich einer möglichen Zukunft. Die Zusammenarbeit von SCHUDERS MACHT SCHULE mit lokalen Expert*innen führt im besten Falle zu Ideen, die von innen heraus entstehen. Bestehende Strukturen werden integriert und gemeinsam wird selbstbewusst in die Zukunft geschaut.

 

 

 

Workshop - Leitung

 

Lisali Frey verbringt ihr Leben als Landwirtin, Älplerin, Schnitzerin und Jägerin in Salfsch und Schuders. Heute ist sie pensioniert und trägt mit den Erfahrungen aus ihrem reichhaltigen Leben zur Diskussion bei.

 

Tina Joos ist pensionierte Bergbäuerin, Agronomin und ehemalige Älplerin. Die Erhaltung der Berglandwirtschaft liegt ihr am Herzen. In den letzten Jahren beschäftigte sie sich u.a. mit der Erstellung eines Archivs mit Informationen und Bildern von Schuders.

 

Jelena Moser ist Theaterpädagogin und Älplerin. Sie kennt Schuders aus ihrer Zeit als Älplerin auf der Alp Drusa. Das Projekt SCHUDERS MACHT SCHULE ist Ihre Masterarbeit in Transdisziplinarität.